13.06.-14.6.2017
Trainerweiterbildung mit Corinna Lehmann Salzgitter Bad, Reitanlage Mahner Berg

Mit tollem Schleich Anschauungsmaterial im Gepäck und großer Erfahrung zum Bewegungsablauf des Pferdes sowie einer hervorragenden Art Sachverhalte zu erklären, gespickt mit einer besonderen Art von Humor war dieser Lehrgang eine echte Bereicherung für mich als Dualaktivierungstrainer.

 

Das Thema dieser Weiterbildung war Tempo, Takt und Rhythmus.

In der Natur ist für das Pferd das Tempo in Takt oder Rhythmus völlig belanglos, von daher müssen wir dem Pferd diesen erst beibringen.

 

Warum ist das richtige Tempo denn so wichtig?

Wir wünschen uns ein athletisches Pferd, das sich mit Kraft, Schwung und Dynamik bewegen kann. Das Pferd hat aber mehrere Schwachstellen im Körperbau, die ihm eine athletische Bewegung unter dem Reiter schwer machen.

 

Zu den großen Schwachstellen gehören der Rücken mit seiner Hängebrücken-konstruktion und die Vorhand (ein Pferd ist immer Vorhandlastig ca. 60% zu 40 %).

 

Dabei sollte für den Reiter das oberste Ziel sein die natürliche Bewegungsstruktur des Pferdes zu erhalten. Die Schwachstelle Rücken hat den Gegenspieler der Bauchmuskulatur aber die Bauchmuskeln können nur wachsen, in dem Moment wo sich der Rippenbogen / der Rücken anhebt. Hier kommt die Hinterhand ins Spiel, die mit Absenken des Kopf-Halsbereiches lernen soll in einer aktiven Streckdehnung zu laufen.

 

Damit im Vorwärts der Raumgriff und die Schubkraft entwickelt werden können benötigen wir den richtigen Takt bzw. das richtige Tempo, wobei Corinna Lehmann den Begriff Takt lieber gegen den Begriff Rhythmus ersetzt.

 

Um ein Pferd im Takt (Rhythmus) zu beurteilen empfiehlt es sich also die Hinterbeine bei jedem Aufsetzen laut mitzusprechen (z.B. "Und - Schritt"). Während des Mitsprechens der Bewegung lassen sich Taktfehler und Geschwindigkeits-veränderungen leicht feststellen. Zum Beispiel fällt es auf, dass ein Pferd in der Kurve den Takt verlangsamt und auf der Geraden wieder beschleunigt. Auch bewusste Tempowechsel lassen sich stimmlich sehr gut begleiten.

 

Ein gleichbleibender Takt verhilft dem Pferd zum rhythmischen, dynamischen, bewussteren Einsatz der Hinterhand. Taktunregelmäßigkeiten bringen das Pferd immer wieder ins Stocken.

 

Corinna Lehmann empfiehlt dem Pferd ein 3-Schlag-Tempo in jeder Gangart vorzugeben ("reite ein Shetty, reite ein normales Pferd, reite ein Sportpferd" - also von langsam - über normal - zu schnell und das im gleichbleibenden Rhythmus).

Durch Vorgabe eines schnelleren Rhythmus mit einfangen zu einem langsameren Rhythmus kann der Raumgriff erarbeitet werden.

 

Natürlich hat beim Reiten der Sitz des Reiters einen großen Einfluss auf die Beweglichkeit des Pferdes. Corinna Lehmann hat hier sehr gute Anleitungen, um den Reiter in einen Vorwärts ziehenden Sitz zu bringen ohne das Pferd zu stören, und auch über den Körper das Pferd wieder zurückzunehmen.

Dabei geht es beim Reiter um Körperhilfen, Schenkelhilfen und zuletzt um Zügelhilfen zur Vorgabe des Rahmens.

 

Am zweiten Tag wurde noch intensiver auf die natürliche Schiefe des Pferdes eingegangen (Reiter auf einer Banane) und wie das Pferd lernen soll um die Kurve zu laufen. Das vorhandlastige Pferd soll lernen seine Vorhand / Schulter so zu verschieben, dass sie sich der Hinterhand anpasst, um so eine gleichmäßige Gewichtsverteilung zu erlangen. So findet also die Geraderichtung in der Schulter/Vorhand statt, indem sie sich auf die Hinterhand einstellt. Das Pferd sollte also "Wie ein Eisläufer mit übersetzendem äußeren Bein um die Kurve laufen".

 

Für die Kurve muss das Pferd lernen sich im Genick zu stellen (über schauen und kauen) und dann erst zu biegen. Dabei sollte der Rhythmus aber nicht verloren gehen, damit das nicht passiert muss das innere Hinterbein im Zeitpunkt des Abstoßens zum stärkeren Abfussen einseitig angetrieben werden.

Bei all dem helfen die Gassen der Dualaktivierung sowie die Pylonen bewusste Tempo- / Rhythmuswechsel abzufragen und zwischen den Gassen dynamisch vorwärts zu reiten. Dabei kann der Reiter zwischen leichtem Sitz und Leichttraben wechseln. Auch Rahmenvariationen (Zügellängen) sind hier gut machbar. Über die muskuläre Tätigkeit wird das Pferd zum Kauen angeregt und soll selbst in die korrekte Kopf-/ Halsposition finden.

 

In diesen zwei Tagen haben wir als Trainer viel dazu gelernt und auch Anleitungen erhalten wie wir unsere Pferd/Reiter Paare gezielt unterstützen können mit wertvollen Übungen.

 

Vielen Dank an Corinna Lehmann für diese zwei Tage und auch an Melody, die sich mit ihren Pferden und Reitern für uns als "Lehrobjekte" zur Verfügung gestellt hat.

Weitere Ausführungen zu diesem Thema finden sich auch in dem Buch von Corinna Lehmann: "Bausteine Dressurreiten".

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© Vivienne Finke