Jungpferdeausbildung

Ein junges Pferd lässt sich in der Dualaktivierung und Equikinetic ideal auf das Reiten vorbereiten. Schon als Fohlen kann das Pferd mit der Positionsarbeit lernen sich bewegen zu lassen und vertrauensvoll dem Menschen zu folgen. Auf Schulterhöhe (auch zwischen Kopf und Schulter) ist die Basis zur Kommunikation zwischen Mensch und Pferd gelegt. Das Pferd fühlt sich sicher beim Menschen, so ist der Grundstein für entspanntes Arbeiten und Lernen gelegt.

Phantom Friesenhengst 2 Jahre alt

Mit zwei Jahren kann man mit der Fahnen-Arbeit beginnen und so mit der Arbeit an der Gehirnleistung, Konzentrations- und Lernfähigkeit arbeiten. Pferde haben zwei Farbzäpfchen (Dichromat) und sehen die Farben blau und gelb als Farben, weiß ist weiß, schwarz ist schwarz, der Rest der Farben sind für das Pferd Graustufen. Zudem hat das Pferd mit seinen Augen seitlich am Kopf für jedes Auge ein eigenes Bild. Man nennt das monoculares Sehen. Menschen sehen binocular, das heißt beide Auge bilden ein gemeinsames Bild. Für das Pferd als Fluchttier macht das monoculare Sehen durchaus Sinn, denn so kann es mit dem einen Auge den Fluchtweg sichern und mit dem anderen Auge den Feind sehen. Der Nachteil des monocularen Sehens ist, dass die Bilder nicht gelichmäßig in den Gehirnhälften abgespeichert werden.
Zu 95% sind Pferde linksseitig angelegt, das heißt sie erfassen von Natur aus einen Gegenstand ehr mit dem linken Auge dieser wird dann zu 80-85% in der rechten Gehirnhälfte abgespeichert. Ein schwaches Bild mit 15-20% geht in die gegenüberliegende linke Gehirnhälfte. Nimmt das Pferd nun den gleichen Gegenstand mit dem rechten Auge wahr, hat es hierfür nur ein sehr schwaches Bild und der Gegenstand erscheint für das Pferd "quasi neu". Aus diesem Grund ist das beidseitige Arbeiten so  wichtig für das Pferd. Das heißt alles was wir mit dem Pferd machen, machen wir von beiden Seiten, damit das Pferd gleich viele Erfahrungen, Sinneseindrücke, Gefühle und Bilder in den Gehirnhälften abspeichert.

 

Ein weiterer Punkt, der dem Pferd das Abgleichen von Bildern, Sinneseindrücken und Erfahrungen erschwert ist, dass die Verbindung zwischen den Gehirnhälften, der sogenannte Balken eine deutlich geringere Wechselrate hat als beim Menschen (4,5 Mal langsamer). Diesen Balken kann man stärken durch wechselseitiges Aktivieren der beiden Gehirnhälften über den Wechsel zwischen den beiden Augen. Genau hier setzt die Fahnen-Arbeit an. Die Fahne (in gelb oder blau) wird abwechselnd rechts und links auf Schulterhöhe des Pferdes geschwenkt. So wechselt das Pferd jeweils das Auge mit dem das Pferd die Fahne erfasst und steigert so den Wechsel und Austausch zwischen den Gehirnhälften. Ein Pferd mit einer erhöhten Austauschrate, das sich im Gleichklang seiner Gehirnhälften befindet ist ausgeglichener, kann leichter Stress abbauen, ist Leistungs-, Konzentrations- und Lernfähiger. Die ideale Voraussetzung also, um mit einem jungen Pferd in die Arbeit zu gehen.

 

Mit zwei Jahren kann man auch schonend und langsam beginnen das Pferd im Schritt am Kappzaum auf das Laufen in Innenstellung vorzubereiten. Viele Pausen und die Gewöhnung an den Equiplace, erleichtern dem Pferd das Lernen und zu Entspannen, denn die Konzentrationsphasen eines jungen Pferdes sind noch sehr kurz.

 

Zwischen drei und fünf Jahren (je nach körperlicher und geistiger Reifung eines Pferdes) kann das Pferd dann in der Equikinetic muskulär so aufgebaut werden, dass es eine tragefähige und gelenkschonende Muskulatur aufbaut. In dauerhafter Innenstellung wird die äußere Seite des Pferdes so aufgespannt, dass Muskelgruppen bis in die Tiefe miteinender arbeiten, die Durchblutung und der Stoffwechsel werden gesteigert, die Sehnen gestärkt und die Faszien elastischer und geschmeidiger gemacht. Durch das Arbeiten nach dem Zeitsystem wird sichergestellt, dass beide Seiten gleichmäßig gearbeitet werden und eine Überforderung vermieden wird. In den Pausen zu jedem Seitenwechsel erhält das Pferd durch den Signalton einen Belohnungsreiz, kann das Gelernte in der Pause abspeichern und sich erholen. Auch hier kann der Equiplace zum Einsatz kommen. Das Training mit dem jungen Pferd beginnt im Schritt mit 4 Arbeitspahsen (Runden) - 1 min. Arbeit und 45 sec. Pause.

 

Die Arbeit in der Equikinetic ist sehr anstrengend, erfordert höchste Konzentration und Koordination. Das Gehirn benötigt 80% der aufgebrachten Energie für seine Leistung, die restlichen 20% fallen an die muskulärte Energie. Das junge Pferd sollte zu Beginn nur zweimal wöchentlich in der Equikinetic gearbeitet werden. Nach jeder Equikinetic Einheit benötigt das Pferd 48 bis 72 Stunden Pause, damit die Muskelfasern sich erholen und wachsen können (Dickenwachstum).

 

Das Training kann dann je nach Pferd gesteigert werden auf 8 Arbeitseinheiten, hierbei ist immer auf Zeichen der Überforderung zu achten, um die Trainingssteigerung dem Pferd anzupassen und Überforderungen zu vermeiden.  Dann wird das Training nach ca. 2-4 Wochen auf den Trab erweitert. Voraussetzungen für den Trab sind:

  • Das Pferd kann die dauerhafte Innenstellung in der Arbeitsphase halten
  • Das Pferd läuft im Schritt taktrein und schreitet fleißig
  • Es spurt mit den Hinterhufen in die Spur der Vorderhufe

Der Trab wird in den letzten beiden Runden der Equikinetic Trainingseinheit eingeführt. Wenn auch im Trab die Voraussetzungen wie oben erfüllt sind kann man auf 4 Runden Trab erweitern und später auf 6 Runden, so dass man zwei Runden im Schritt arbeitet und die restlichen 6 im Schritt. Siehe Trainingsplan.

 

Um das Pferd an das Reitergewicht zu gewöhnen kann man nun in der Equikinetic Gewichte mit ins Spiel bringen, die langsam gesteigert werden können und so das Muskelwachstum zusätzlich anregen.

 

Das Pferd hat nun gelernt im Takt, losgelassen und geradegerichtet zu Laufen. Ein so vorbereitetes Pferd kann dann auch in einem größeren Abstand am Kappzaum gearbeitet werden und ins Cavaletti Training oder in die longierte Dualaktivierung, Langzügelarbeit gebracht werden. Das Pferd hat ein gutes Körpergefühl, ist muskulär ausgeglichen, kann sich Balancieren und Koordinieren und hat einen energiesparenden Bewegungsablauf. Die besten Voraussetzungen, um sich auch hier vertrauensvoll auf den Reiter einzulassen.

 

Für das Reiten gelten die gleichen Richtlinien wie für die Arbeit am Boden, viele Pausen (am Besten nach Zeitsystem arbeiten), keine Überforderung und verständliche Hilfengebung für das Pferd.

Phantom 10 Jahre alt

Eine Videodokumetation zur Arbeit mit meinem 7 j. P.R.E. Korrekturpferd gibt es hier:

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© Vivienne Finke