Training mit dem Jungen- oder Korrektur-Pferd

Aus aktuellem Anlass, da ich ein "junges" Korrekturpferd mein Eigen nennen darf, möchte ich hier nun mein Training dokumentieren. Ich denke es wird ein spannendes Tagebuch, in dem ich schrittweise mein Training in Videos zeige.

 

Hier kann man Fortschritte, Rückschritte und Trainingseinheiten live miterleben und bekommt auch so einen guten Einblick in meine Arbeit.

 

Auch ich mache Fehler, von daher sollen diese Videos keine Lehrviedeos sein, sondern sie zeigen realitätsgetreu mein Training mit allen "Ecken und Kanten".

 

Es handelt sich um den sieben jährigen P.R.E. Wallach Indiano, er wurde kurz vor dem Kauf gelegt, war also bis 7 jährig Hengst.

 

Zur Kaufbesichtigung durfte ich mit Indiano alleine Draußen arbeiten, um ihn kennen zu lernen. Danach habe ich ihn mir noch unter dem Sattel vorstellen lassen, damit ich eine Idee bekam, was mich erwartet. Es war mir nicht wichtig ihn selbst zu reiten, da ich gut sehen konnte, dass er für das Reiten noch gar nicht vorbereitet war und es ihm nur unnötig Stress bereitet hätte.

Ich machte Draußen kleine Kommunikationsübungen, achtete auf seine Körpersprache, beurteilte für mich sein Exterieur und beobachtete seine Bewegungsabläufe frei. Sein Verhalten unter dem Sattel war leider alles andere als zufriedenstellend. Er machte sich fest, lief gedrungen fast getrabt, konnte also keinen Schritt gehen und war auch nicht in der Lage sich unter dem Sattel zu entspannen.

 

Er konnte die Hufe nicht geben, bzw. hatte Angst sie zu geben und war auch nicht verladefähig. Wir mussten ihn sedieren, damit ich ihn mit nach Hause nehmen konnte.

 

Dennoch habe ich mich entschieden ihn zu kaufen, ich wusste was auf mich zukommt und ich gehe diesen Weg gerne mit diesem netten Charakterpferd. Mir macht es auch nichts aus, wenn ich ein Jahr oder länger mit ihm nur Bodenarbeit machen sollte, ich mache das gerne und ich schätze die Möglichkeiten dieser Arbeit sehr. Natürlich ist mein Ziel ihn irgendwann einmal zu reiten, aber wann das soweit sein wird bestimmen sein Geist und sein Körper.

Der erste wichtige Schritt war die Herdeneinführung. Ich handhabe es so, dass ich nachdem das Pferd angekommen ist und es sich ein paar Tage alleine an die neue Umgebung gewöhnen durfte, ich das neue Pferd mit jedem Herdenmitglied einzeln zusammen bringe. Wenn die Pferde sich einzeln nett miteinander geben, erst dann wird das neue Pferd in die Herde integriert. Mit dem Ponywallach verstand sich Indiano sofort. Sie hatten die gleiche Annäherungsform und es gab nach einem kurzen intensiven beschnuppern gar keine Abneigung, das Pony hat das neue Herdenmitglied sofort akzeptiert. Anders sah es natürlich mit meiner Stute aus, die bislang die Chefin in der Herde war (möglich, dass sie den Rang an das neue Herdenmitglied abgibt, wenn sich dieser als kompetent erweist). Mit ihr musste die Einführung langsamer und kontrollierter ablaufen. Ich hatte sie zunächst am Strick / Longe und dies über mehrere Tage, dennoch schaffte sie es sich schnell zu drehen und gezielt nach Indiano auszutreten. Nichts desto trotz blieb Indiano ruhig. Nach mehreren Tagen wurde sie rossig und ich konnte beide frei zusammenlassen. Denn nun war sie nahbarer. Danach durfte auch das Pony dabei sein. So ist die Herdeneinführung ohne Verletzungen und relativ stressfrei geglückt.

In den nächsten Tagen begann ich mit dem Aufnehmen der Hufe und dem Führtraining am Kappzaum. Danach folgten Übungen zum entspannten Kopf / Hals fallen lassen, um Indiano langsam aus dieser verspannten hoch getragenen Kopfhaltung herauszuholen sowie erste Übungen zum Stellen im Genick mit anschließender Gewöhnung an das Laufen in Biegung und Stellung. Schon hierbei sind die blau gelben Gassen sehr gute Hilfen, um dem Pferd den Weg leichter zu machen.

Danach folgte die Gewöhnung an die Quadratvolte und das Intervall-Zeitsystem mit Pausenplatz. Der Pausenplatz (Equiplace) ist ein sehr gutes Hilfsmittel, um Indiano aus seiner Verspannung heraus zu holen oder es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass er sich verspannt. So wird er im Training immer ruhiger und fühlt sich nicht so schnell überfordert. Nach der Pause ist er besser in der Lage wieder zuzuhören und mitzuarbeiten.

Indiano ist noch nicht in der Lage am Kappzaum einen taktreinen, ruhigen Trab zu zeigen. Er verfällt in seine natürliche Schiefe und beginnt zu Rennen. Dies werden wir Schritt für Schritt korrigieren. Das heißt ihn Geraderichten, Muskulatur aufbauen und ihm so zu einem losgelassenen, taktreinen Trab verhelfen.

Im Gelassenheitstraining kann ich unsere Beziehung festigen, Vertrauen aufbauen und das Pferd in seinem Verhalten beurteilen. Mit den Gegenständen kann ich ihn auf unsere zukünftigen Spaziergänge vorbereiten und auch ich bin vorbereitet wie das Pferd reagiert im Zusammentreffen mit unbekannten Dingen.

Gelände und Spaziergänge


Zum Training des jungen oder unerfahrenen Pferdes gehören für mich auch die Spaziergänge ins Gelände. Sie sind ein wichtiger Baustein im weiteren Werdegang des Pferdes. Das Pferd soll mit verschiedenen Reizen Erfahrungen sammeln, durch unterschiedliche Eindrücke erweitere ich den Bereich der Reizaufnahme des Pferdes, die Propiozeptoren werden angeregt durch unterschiedliche Untergründe und Bodenbeschaffenheiten neue neuronale Verknüpfungen im Bewegungsablauf abzuspeichern. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Balance und die Koordination des Pferdes aus. Besonders das Element Wasser hat noch einen besonderen Reiz ich kann zusätzlich den Muskelaufbau fördern. Manchmal macht das Planschen im Wasser aber vielleicht auch einfach nur Spaß !

Grundbausteine für das Spazieren gehen sind, dass das Pferd gelernt hat sich respektvoll Führen zu lassen ohne zu drängeln oder zu schubsen, dass es sich meiner Geschwindigkeit anpasst und mir zuhört, das ich es Antreten, Halten nach rechts und links schicken kann und ich in der Lage bin das Pferd von beiden Seiten zu führen. All dies sollte vorher auf dem Reitplatz trainiert werden bevor ich mit dem Pferd im Gelände spazieren gehe.

Das A & O in der Bodenarbeit - Basisarbeit Führen

 

Beim Führen ist es wichtig eine partnerschaftliche Position einzunehmen, diese befindet sich auf Schulterhöhe des Pferdes, da wo auch die Fohlen laufen. Später sollte das Pferd soweit sein, dass es alle Führpositionen akzeptiert und mir aufmerksam "zuhört" egal an welcher Position ich laufe. Zu Beginn ist es aber sehr von Vorteil die Position der Schulter einzunehmen. Von hier aus kann ich körpersprachlich und hilfegebend ideal auf das Pferd einwirken und habe das Pferd immer im Augenwinkel.

 

In dieser Arbeitseinheit beginne ich nun mit den Grundbausteinen Antreten - Halten - Rückwärts - Weichen sowie den stellenden und biegenden Übungen. Daraus erarbeite ich mir dann wiederum die laterale Stellung im Geradeaus, das Schulter vor, das Konter-Schulterherein sowie das Schulterherein. Für seine ersten Einheiten in diesen Übungen macht Indiano das schon sehr gut. Natürlich müssen wir weiter daran arbeiten, dass er den Kopf mehr fallen lässt, aber je sicherer er wird in den Übungen desto ehr kommen wir in diese Richtung. Mich freuen seine kleinen Fortschritte sehr.

Mehr Körpergefühl

 

Balance und Koordination zu schulen ist wichtig in der Ausbildung des Pferdes. Hierfür gibt es schöne Übungen, die dem Pferd mehr Bewußtsein für die Koordination der Vor- und Hinterhand geben können, denn für das Pferd ist die Hinterhand nicht im direkten Bewußtsein. Dem Pferd hier mehr Körpergefühl zu geben macht also Sinn und ist für die spätere Arbeit wertvoll und auch eine Vorbereitung für das Verladen oder das Gelände.

 

Fernab vom Reitplatz

 

Hier laden gerade im Spätsommer und Herbst Stoppelfelder für kleine Arbeitseinheiten ein. Kurze Übungseinheiten von dem Reitplatz auch auf ein Stoppelfeld zu übertragen macht Sinn. Hier kann man feststellen, ob das Gelernte auch in ungewohnter Umgebung mit viel Ablenkung abrufbar ist und ob das Pferd "bei einem bleibt".

Dualaktivierung mal anders

 

In der Arbeit ohne direkte Verbindung zum Pferd (also ohne Longe) fördert man die Selbstverantwortung des Pferdes und steigert so seine Motivation. Hieran kann man das Pferd in kleinen Schritten heranführen. Jedes einzelne Element wie der Halsring, die Quadratvolte, die Frontalposition und der Pausenplatz werden einzeln erarbeitet und später kombiniert. Diese Übung ist auch ein guter Prüfstein für die bisherige Arbeit in Vertrauen und Beziehnung.

Bodenarbeit nach einen Jahr

 

Indiano ist nun schon ein Jahr bei mir. Wie die Zeit vergeht....

Im Winter haben wir viel Beziehungstraining gemacht, spazieren gehen, Freiarbeit... (Von der Freiarbeit gibt es nun auch ein Video)

Dinge, die ihm Spaß machen so lernt er spielerisch mir zu vertrauen. Jetzt im Frühling geht es wieder an die konzentrierte Arbeit mit Gassen, Stellung und Biegung, Mobilisation, Abkauübungen und und und... Er macht gute kleine Fortschritte und die Arbeit mit ihm macht Spaß.

Gewöhnung an das Reiten und einen späteren Sattel

 

Da Indiano noch große Probleme mit einem Sattel auf seinem Rücken hat (er wird extrem spannig, will davon laufen, reißt sich vom Strick los wenn die Sattelunterlage kommt...), beginnen wir die Vorbereitung auf das Reiten mit den Langzügeln und einem Longiergurt. Auch hier zeigt Indiano sich noch verspannt aber er bruhigt sich schneller wieder. Die Langzügel sind ein schöner Einstieg ins spätere Reiten, denn hier habe ich bereits die Zügel in der Hand und bringe dem Pferd das Stellen über den Zügel bei und die Lanzügel können wie ein treibender Schenkel am Bauch des Pferdes eingesetzt werden, so dass es sich auch daran gewöhnen kann.

Freiarbeit - Freisein und doch gemeinsam

 

In der Freiarbeit macht Indiano gute Fortschritte und es scheint im auch Freude zu bereiten. Er ist hier aufgeschlossener und eifrig und kann auch mal "gehen" wenn es ihm zuviel wird oder er nicht mag. Das ist für mich aber auch die Definition von Freiarbeit. Hier kann es schon mal sein, dass das Pferd das Training beendet und das ist okay. Schön ist es natürlich, wenn das Pferd auf kleine körpersprachliche Hilfen fein reagiert. Wichtig ist, dass das Pferd sich jederzeit "einladen" läßt, das ist für mich die Grundvorraussetzung für die Freiarbeit. Eine gutte Freiarbeit ähnelt einem Tanz, wenn zwei Lebewesen unterschiedlicher Gattung sich "zum Tanz bitten" hat das schon etwas faszinierendes für mich.

Videos

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Vivienne Finke