Die akademische Reitkunst

 

Seminar mit Marius Schneider in Leer

 

Um in das Thema der akademischen Reitkunst weiter einzusteigen besuchte ich ein Tagesseminar mit Marius Schneider in Leer. Marius Schneider unterrichtet in der akademischen Reitkunst mit einer sehr einfühlsamen Art für Pferd und Reiter. Das logisch aufeiander aufbauende Ausbildungssystem, das im Vordergrund das entspannt lernende Pferd sieht, begeistert mich. Dabei wird es den Pferden in den Übungen "leicht" gemacht richtig zu reagieren, weil sie auf die Bedürfnisse des Pferdes abgestimmt sind.

 

Das Ziel ist ein sehr fein reagierendes Pferd zu gymnastizieren, das mit wenigen Hilfen auskommt und leicht reagiert.

 

Sehr schön war, dass auf dem Seminar Pferde jeden Alters und Ausbildungsstandes vorgestellt wurden, so machte man quasi eine kleine Zeitreise in der Ausbildung des Pferdes mit.

 

Es begann mit einem 3 jährigen Pferd, mit dem zunächst das Führen am Halfter und feine Richtungsweisungen sowie Tempounterschiede und Halten abgefragt wurden. Die Formgebung des Pferdes war hier noch gar nicht entscheidend. Das Pferd wurde so sanft an die ersten Hilfengebungen des Körpers und der Gerte gewöhnt. Dies ist die Vorarbeit für die spätere gymnastiziernde Arbeit am Boden. Dabei lernt das Pferd die ersten Führpositionen der akademischen Reitkunst am Boden kennen und macht sich damit vertraut:

 

1) Handarbeitsposition (Schulterposition = Partnerposition)
Hier wird das Pferd auf Schulterhöhe in der Zweihandtechnik (äußere Hand geht zum Kappzaum, innere Hand hält den Rest der Longe und Gerte) geführt

 

2) Longenposition, diese ist wie die Handarbeitsposition nur auf etwas mehr Abstand

 

3) Frontalposition
Hier wird das Pferd frontal begleitet, so dass der Longeur rückwärts vor dem Pferd läuft und die Spur, die das Pferd laufen soll mit seinem Laufweg vorgibt

 

So lernt das junge Pferd die ersten unterschiedlichen Positionen kennen, zwischen denen man dann fließend in der Arbeit wechseln kann. In der weiteren Trainingseinheit wurde das junge Pferd dann an den Kappzaum gewöhnt und die gleichen Übungen, der Führpositionen, die das Pferd vom Halfter schon kannte wurden nun mit dem Kappzaum abgefragt.

Eine der ersten Formgebungen des jungen Pferdes ist dann das Lösen: Das Pferd soll durch einen kleinen Impuls am Kappzaum nachgeben und den Kopf mit geöffnetem Genick auf Buggelenkhöhe fallen lassen.

Führen in Frontalposition mit erster Formgebung

Als nächster Teilnehmer kam dann ein etwas älteres Pferd (5 Jahre), das am kurzen Zügel in der Handarbeit gearbeitet wurde. Dies ist ein weiterer Schritt der akademischen Reitkunst das Pferd an das Reiten zu gewöhnen und die Hilfengebung der Zügel zu verfeinern. Das Wort der Handarbeit wurde abgeleitet vom Satz "Zur Hand gehen", das heißt das Pferd soll lernen an die Hand beziehungsweise an das Gebiss heranzugehen (die Anlehnung daran zu suchen).

Zunächst einmal darf sich das Pferd auch hier ohne Formgebung an die neue Situation gewöhnen. Die Zügeleinwirkung hat Marius Schneider erklärend in zwei Zügelhilfen differenziert:

 

1) Der anlegende Zügel, er weist dem Pferd die Richtung, es soll vom angelegten Zügel weichen, die äußere Schulter wird also über den äußeren Zügel nach Innen gebracht, die Innere Schulter über den inneren Zügel nach Außen

 

2) Der einwirkende Zügel, hier wirkt die Hand ins Maul des Pferdes ein und bestimmt auch seinen Rahmen

 

Die Zügelhilfe des anlegenden Zügels kann das Pferd am Boden in der Handarbeit sehr gut lernen, den inneren Zügel simuliert man dann durch Anlegen der/s Finger/s an den Hals. Später im fortgeschrittenen Stadium der Ausbildung kommt dann erst der einwirkende Zügel hinzu.

Danach folgte ein Pferd, das bereits weiter in der Bodenarbeit der akademischen Reitkunst ausgebildet war, das am Kappzaum vorgestellt wurde, dieses Pferd kam bereits in die Formgebung (Biegung und Stellung) mit Ansprechung der einzelnen Körperpatien Vorhand, Mittelhand, Hinterhand. Das Pferd wurde nun präzise geschult diese Körperpartien zu gymnastizieren. Auf der Zirkellinie wurde ein Schulterherein in Frontalposition abgefragt mit Wechsel zum Kruppeherein. Auf diagonaler Linie kam dann der Wechsel vom Schulterherein in die Traversale hinzu mit halber Piourette (halbe Volte mit Kruppeherein) und einer erneuten Traversale, danach auch Übergang zum Renvers. So werden verschiedene Körperbereiche des Pferdes angesprochen und gymnastiziert mit dem Ziel das Pferd Geradezurichten. Auch hier wird immer auf beiden Seiten mit dem Pferd gearbeitet, um es gleichmäßig auszubilden.

Dieses Pferd lernte nun auch eine weitere Führposition kennen und zwar die der Langzügelposition (auf Höhe der Hüfte / Kruppe des Pferdes).

Die nächsten Teilnehmer waren fortgeschrittener in der Ausbildung und begannen versammelnden Übungen an der Hand zu verfeinern wie

den Schulhalt (das Pferd lehren das Gewicht auf die Hinterhand zu bringen),

die Piaffe und versammelter Trab und Galopp an der Hand.

Bei den Pferden, die unter dem Sattel vorgestellt wurden, wurde zunächst die Hilfengebung reduziert und die Pferde so zu mehr Losgelassenheit und Anlehnung an den Zügel gebracht. Es war schön zu sehen wie sich die Pferde mit dem Reduzieren des einwirkenden Zügels deutlich im Bewegungsablauf verbesserten und auf die Hilfen (Weglassen von der Schenkeleinwirkung beim Abwenden) mit mehr Losgelassenheit und weiteren Tritten reagierten.

 

Ich habe viel aus diesem Seminar mitnehmen können und bin auf meinem Weg Richtung akademischen Reitkunst wieder einen guten Schritt weiter gekommen. Ich bin überzeugt, dass meine Pferde von meinen neuen Trainingsimpulsen profitieren werden und sich so weiter verbessern. Als "Trainer" seines Pferdes lernt man so feinere Impulse zu geben, Hilfen zu differenzieren und präzisier in seiner Arbeit mit der Hilfengebung zu werden. Auch meine Reitschüler profitiern von den Fortbildungen, die immer in meine Arbeit miteinfließen.

Seminar mit Marius Schneider und dem eigenen Pferd in Lüdinghausen (2018)

 

Führen in Frontalposition auf Abstand und das Erlernen immer einen gleichmäßigen Abstandzu halten, so begann unsere Arbeitseinheit als Basis für die Arbeit in der Frontalposition. Nahe am Pferd soll dann ein Drücken oder Drängeln kein Thema mehr sein, da das Pferd gelernt hat einen feinen Abstand einzuhalten. So kann man dann mit einer Armlänge Abstand ganz weich am Kappzaum einwirken ohne Gegendruck zu erhalten. Das war unser erster wichtiger Baustein, so wie auch das Rückwärts weichen des Pferdes, wenn es zu nahe kommt, oder das Warten wenn ich auf Abstand gehe.

 

Kosheen war sehr fein und aufmerksam und ich war erstaunt wieviel selbst Geschwindigkeit in der Ausführung oder Reaktion meines Pferdes ausmacht.

 

Zur Frontalarbeit gehört zum Einen zu Beginn das Lösen und dann das Laufen in Biegung und Stellung. In der Frontalarbeit erarbeiteten wir uns dann das Zirkel verkleinern und vergrößern und daraus das Schulterherein. Später folgt dann auch das Travers oder Kruppe herein.

 

Kurze Einheiten und immer wieder viel Lob und Pausen. So blieb mein Pferd motiviert und sie wollte wirklich alles richtig machen.

 

Am Sonntag haben wir das Gelernte wiederholt und daraufhin Distanzarbeit (das Longieren am Kappzaum auf geringe Distanz) gemacht. Hier zeigte Kosheen eine schöne Haltung sowie einen guten Takt und wir konnten gemeinsam mit Marius' Anweisungen die Übergänge noch verbessern. zwei sehr erfolgreiche Tage.

Seminar mit Kathrin Branderup-Tannous

 

Arbeit in der Frontalposition wie Zirkel verkleinern, Zirkel vergrößern, Schulterherein auf dem Zirkel sowie Travers auf dem Zirkel.

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© Vivienne Finke